Tierschutz
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Die Europäische Wildkatze

Europäische Wildkatze

Wildkatze (Felis silvestris) | Foto: pixabay.com

Leider kommt es immer wieder vor, dass verlassene Wildkatzenkinder von Menschen „aufgesammelt“ und mit nach Hause genommen werden. Die Leute sind der Annahme, es handele sich um verwaiste Hauskatzen und wundern sich, dass sich die Kleinen nur ungern anfassen lassen. Damit beginnen die Probleme, weil selbst in Gefangenschaft geborene Wildkatzen sich nicht wirklich zähmen lassen.

In diesem Artikel möchten wir Euch die Europäische Wildkatze etwas näher bringen.

In freilebender Wildbahn bekommt man Wildkatzen (Felis silvestris) nur schwer zu Gesicht, denn als nachtaktive Tiere leben sie versteckt in naturnahen Laub- & Mischwäldern. Bis zum 20. Jahrhundert erstreckte sich ihr Verbreitungsgebiet fast über den ganzen Kontinent; heute jedoch zählt die Europäische Wildkatze bei uns leider zu den gefährdeten Säugetierarten.

Die direkte Verfolgung durch den Menschen war Früher die Ursache dafür, dass sich Wildkatzen immer seltener ansiedelten. Heute verhindern die starken Veränderungen des Lebensraumes die Erholung von Beständen. Nicht zuletzt deshalb, weil auch der Straßenverkehr viele Opfer fordert.

Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Woran erkennen wir eine Wildkatze?

Entgegen der getigerten Hauskatze wirkt das Fell der Wildkatze eher „verwaschen“, da die Zeichnung nicht sehr kontrastreich ist. Wichtigste Merkmale sind der schwarze Rückenstreif, der fleischfarbene Nasenspiegel sowie der mit zwei bis drei dunklen Ringen besetzte und buschige Schwanz, welcher ein stumpfes, schwarzes Ende hat. Insbesondere ihr längeres Winterfell lässt die Wildkatze weitaus gedrungener & kräftiger als Hauskatzen wirken.

Da es nicht wirklich ein 100%iges äußerliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Haus- und Wildkatze gibt, kann nur das Labor anhand von Genetik, Darmlänge & Hirnvolumen Aufschluss darüber geben.

Von was ernähren sich Wildkatzen?

Genau wie bei allen anderen Katzen steht auch bei der Wildkatze täglich frisches Fleisch auf dem Speiseplan. Vorzugsweise ernährt sie sich von Mäusen. In einem TV-Bericht haben wir gehört, dass es pro Tag mindestens 10 Stück sein sollen. Je nach „Verfügbarkeit“ werden auch mal Kaninchen, kleine Amphibien, Insekten oder Kleinvögel vertilgt.

Sind Wildkatzen Einzelgänger?

Diese Frage können wir eindeutig mit JA beantworten, denn nur in der Paarungszeit (zwischen März & September) treffen Kater (Kuder) und Kätzin aufeinander. Genau wie bei unseren Hauskatzen werden die Babies (zwei bis vier) von der Mutterkatze allein großgezogen.

Junge Wildkatze im Opel-Zoo, Kronberg | by Joachim S. Müller

Junge Wildkatze im Opel-Zoo, Kronberg | by Joachim S. Müller

Was ist zu tun, wenn wir ein kleines Kätzchen im Wald finden?

Nicht alle augenscheinlich „einsamen“ kleinen Kätzchen in freier Natur sind Waisenkinder. Oftmals sind sie einfach nur neugierig und befinden sich aufgrund ihres ausgeprägten Spieltriebes kurzzeitig nicht in der Nähe ihrer Mutter oder diese versteckt sich rechtzeitig aufgrund der sich nähernden Menschen.

In diesem Fall gilt, die Kleinen auf keinen Fall anzufassen oder gar mitzunehmen!

Meist folgen die Kitten ihrer Mutter zu ersten Jagdgängen und kommen dieser im Schreck nicht schnell genug hinterher. Wenn Ruhe eingekehrt ist, werden die Kleinen wieder von ihrer Mutter abgeholt. Die Tiere erleiden in Gefangenschaft schrecklichen Stress, der vermieden werden kann. Lasst die Kätzchen am Fundort sitzen und kontrolliert 4-6 Stunden später erneut den Fundort.

Wildkatze, Wildfreigehege Wildenburg, Kempfeld, VG Herrstein, Kreis Birkenfeld, Rheinland-Pfalz, Deutschland

Foto: Hans-Martin Braun

Befinden sich die Kitten dann noch am selben Platz (die Mutter kommt nur bei absoluter Ruhe zurück) und seid Ihr Euch unsicher, ob sie aus irgendwelchen Gründen nicht mehr von der Kätzin versorgt werden können, dann gibt es >>hier<< eine Notfallnummer, an die Ihr Euch wenden könnt.

Denn es kommt durchaus auch vor, dass Mutterkatzen Opfer von Unfällen werden oder aufgrund von plötzlichen Veränderungen (Wald- oder Mäharbeiten) ihre Jungtiere verlieren bzw. nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, könnt Ihr den Fund oder die Sichtung von Wildkatzen über diesen Meldebogen melden und so Eure Beobachtungen für die Wildtierforschung verfügbar machen. Für einen Totfund ist dieses Formular vorgesehen.

Gebt den Fundort bitte möglichst genau an. Das ausgefüllte Formular sendet Ihr bitte an  wildkatzenfund@wildkatze-rlp.de. Gebt dabei auf jeden Fall Eure email-Adresse und/oder Telefonnummer für etwaige Rückfragen an.

Ein Beispiel dafür, wie es keinesfalls laufen sollte:

Eine sehr traurige Geschichte, die sich vor Kurzem in unserer Gegend zugetragen hat:

Foto: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Foto: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Diese beiden (ca. 9 Wochen alten) Wildkatzenbabies wurden über ebay-Kleinanzeigen als reinrassige Bengalkatzen verkauft. Natürlich wunderte sich die neue Besitzerin daheim über das ungewöhnlich aggressive Verhalten ihrer beiden Neuankömmlinge und kontaktierte nach einigen Tagen einen Tierarzt in ihrer Nähe, der sie an die Kleintierpraxis Frau Dr. Saxler weiter verwies. Die Geschichte hatte laut Aussage der Tierärztin noch viele weitere schlimme Punkte, die aber nicht erläutert wurden. Die Kätzchen befanden sich in einem schlechten Allgemeinzustand und litten unter massivem Katzenschnupfen und natürlich unter ernährungsbedingtem Durchfall (Wildkatzen vertragen kein normales Katzenfutter).

Foto: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Foto: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Anhand einer Blutprobe, die den Beiden unter Narkose entnommen wurde, stellte sich heraus, dass es sich bei den Kätzchen in der Tat um Wildkatzen handelt! Mittlerweile sind sie glücklicherweise gut gewachsen und haben schön zugenommen.

In einer Auswilderungsstation werden sie derzeit ordentlich versorgt, damit sie dann bald endlich ihr natürliches Leben genießen können.

Genau wie dem Team der Kleintierpraxis Dr. Saxler fehlen auch uns ehrlich gesagt die Worte und wir sind zutiefst traurig darüber, welche Odyssee die „kleinen Zwerge“ hinter sich haben und wie der Mensch wieder mal mit der Ware „Tier“ umgeht!

Sowas darf einfach nicht passieren, weshalb wir hier auch nochmals auf unseren Artikel „Der richtige Weg zur Katze – Teil I: Der seriöse Züchter“ verweisen möchten.

Sollten Euch solch‘ zwielichtige Vermehrer bzw. Wildkatzenverkäufer auffallen, dann wendet Euch unbedingt an oben genannte Notfallnummer. Bei allgemeinen Fragen zur Wildkatze dürft Ihr auch gerne die Kleintierpraxis Dr. Saxler kontaktieren:

Auszüge aus dem Tagebuch eines Wildkätzchens

Quelle: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Woche 1
Heute ist vielleicht was Komisches passiert. Heute Morgen nach dem Aufstehen hatte ich einen tierischen Kohldampf. Aber als ich meinen üblichen Schluck Milch bei Mama holen wollte, war sie gar nicht da. Meine kleinen Geschwister hatten da mehr Glück, die wurden erst wach, als sie wieder zurückkam. Aber statt des üblichen Frühstücks hatte sie so eine kleine Maus dabei. Und als wir uns diese Maus zuwerfen wollten, grinste sie: „Mit essen spielt man nicht – zumindest,
wenn man keine Wildkatze ist“.

Foto: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Foto: Kleintierpraxis Dr. Saxler, Idar-Oberstein

Woche 2
Mama war wieder im Wald, um noch so eine leckere Maus zu holen. Wir waren neugierig und wollten ihr hinterher. Auf einmal waren da ganz seltsame Geräusche und im nächsten Moment beugte sich ein Schatten über uns und wir wurden hochgehoben. Das war ein Mensch gewesen. Die haben uns einfach mitgenommen. Mami ist bestimmt verzweifelt, weil sie nicht weiß, wo wir sind.

Woche 3
In ihrem Bau haben die Menschen uns Katzenfutter aus einer Dose gegeben. Danach hatte ich ganz fürchterliche Bauchschmerzen. Außerdem ist da noch so eine Katze wie Mami, nur sieht sie ganz rot aus.

Woche 4
Ein „böser Mensch“ in einem großen weißen Kittel hat mich mit einem spitzen Ding gestochen. Ich hab mich gerächt und ihn gebissen. Die Menschen haben mich danach in einen Käfig gesetzt, aus dem ich nicht rauskomme.

Woche 5
Seit einer Woche darf ich nicht mehr aus dem Käfig. Ich habe niemanden zum Spielen. Das Getätschel der Menschen kann ich nicht ausstehen und fauche immer ganz laut. dann werfen sie mir Futter rein und gehen wieder. Wie es wohl Mama geht? Sie macht sich bestimmt große Sorgen. Ich glaube, ich werde sie niemals wieder sehen…


Foto: pixabay.com

Foto: pixabay.com

Weitere Links zur Europäischen Wildkatze:


Update: 06. September 2016

Ein Hilfsprojekt von „TierArt e.V.“

Für die zwei oben aufgeführten, reinrassigen und scheuen Wildkatzen war das Erlebte eine furchtbare Qual und nun bleibt zu hoffen, dass die Beiden sich schnell in ihrem großen Gehege einleben und zu gegebener Zeit erfolgreich ausgewildert werden können.

Die Kosten für die gefrorenen Futtermäuse sind sehr hoch und da es hierfür leider keinerlei finanzielle Unterstützung gibt, wurde nun ein Spendenprojekt bei betterplace.org eröffnet. Jeder Euro zählt.


Kategorie: Tierschutz

von

Nadine

Kimbi & Enny ~ zwei Katzenmädels ~ schnurren hier aus dem Nähkästchen über all' das, was Katz' & Dosenöffner so beschäftigt. Über ein Abo unseres Blogs würden wir uns sehr freuen.

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